Evangelische Kirchengemeinde
 Höhr-Grenzhausen

Glaube konkret


 

Blumen sind schön. Das Wetter kann schön sein. Manche finden aber auch Regenwetter
schön. Und schon könnte ein Gespräch über
Geschmack, über den sich ja wunderbar
streiten lässt, losgehen.
Die Wochen über den Sommer bis etwa
Erntedank nennen wir in der Kirche Trinitatiszeit, benannt nach dem Sonntag nach
Pfingsten, an dem wir die Trinität Gottes besonders feiern.

Die Trinität ist Ausdruck der
Schönheit Gottes. Welch eine schöne Aussage, wo uns die Dreifaltigkeit sonst vielleicht manchmal sperrig vorkommt und schwer zu erklären.
In einer Kirche in Nordholland wird Gottesdienst gefeiert. Die Kirche – von außen
wirkt sie wenig einladend: Zu viele blanke
Betonwände, die Beete ringsum zu sehr
im Schatten als dass sie so richtig bunt sein
könnten. Die Kirche steht im Kern einer Hafenstadt.
Die Stadt hat wenig vom Duft der
großen weiten Welt, keine großen Schiffe
docken hier an. Eher trägt die Stadt an vielen
Stellen das Kleid von Hafenatmosphäre mit
ausgestorbenen Geschäften und Kneipen.
„Strukturschwache Gegend“ nennen wir das
in Deutschland. Die Häuser eher Arbeitersiedlungen,
daneben die typisch holländischen
Häuschen ohne Vorhänge. Vieles ist
hässlich in dieser Stadt, aber was ist schon
schön? Viele Menschen hier sind arbeitslos
und leben in Häusern, die eine Renovierung,
mindestens aber ein bisschen Aufmerksamkeit
verdient hätten. Die Häuser ebenso wie
die Menschen. Die Kriminalität ist für eine
Kleinstadt hoch. Menschen zeigen sich von
ihrer hässlichen Seite.
In der Kirche, die von außen so wenig einladend wirkt, wird Gottesdienst gefeiert. Es ist hell, das Beleuchtungskonzept ist offensichtlich

gut durchdacht. Vielleicht liegt das
„Licht“ aber auch an den Menschen, die hier
sind. Fast alle Reihen sind besetzt an einem
ganz „normalen“ Sonntag. Freundliche Gesichter, angeregte Gespräche, andächtiges
Da-Sein.
Der Pfarrer predigt über die Schönheit Gottes:
Gott ist schön. Sein Drei-Sein ist schön.
Gerade die Trinität ist Ausdruck der Schönheit
Gottes.
Gott ist schön. Wir tun uns manchmal
schwer mit einem solchen Bekenntnis. Gott
ist gut, Gott ist gnädig und treu. All das geht
uns leichter über die Lippen. Und wenn ich
nach der Trinität gefragt werde, dann versuche
ich zunächst, sie zu erklären, mitunter
sogar, sie zu rechtfertigen, weil ich vermute,
dass sie schwer verständlich ist. Gott in seiner
Dreifalt ist schön.
Andere Kulturen tun sich leichter, Gott als
„schön“ zu bezeichnen. In christlichen Kirchen
in Afrika und auch im Nahen Osten
sind Lieder, Gebete und Texte entstanden,
die den „schönen“ Gott preisen. Auch im
holländischen Gesangbuch werden an diesem
Sonntag Loblieder über den „schönen
Gott“ gesungen.
Gott ist schön und er zeigt es uns auf dreifache
Weise. Und das ist keine Frage von Geschmack, sondern ein Bekenntnis:
Gott ist von der Art Schönheit, die alles geschaffen hat, der in Christus alles Widrige kennt und durch den Heiligen Geist alles, was das Leben hässlich sein lässt, mit Macht verneint.
 

 

 

Schönen Sommer!
Monika Christ